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Unimog

Unimog - die eierlegende Wollmilchsau ?

Der Unimog, erdacht in den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, hat nun seit mehr als sechzig Jahre Landwirte, Kommunen und Weltreisende begeistert - genug technisches Potential, um auch im dritten Jahrtausend seine Anhänger zu finden?

Die Idee

Nach Ende des zweiten Weltkrieges war ein "Schweizer Taschenmesser" für Transport- und Arbeitslösungen zur Primärversorgung dringend gesucht und nicht vorhanden. Dem Ruf deutscher Ingenieure und Techniker gerecht zu werden - es wurde einfach erfunden und mit den damals sehr eingeschränkt vorhandenen Mitteln realisiert. Die geistigen Väter des Projektes um Albert Friedrich (ehemals Konstruktionsleiter Flugmotoren bei Daimler Benz) prägten die Abkürzung UNIMOG, entstanden aus dem Begriff UNIversal MOtor Gerät und bauten die "Mehrzweckwaffe des Wiederaufbaus" in einfacher Technik und mit einer für heutige Verhältnisse undenkbaren, aber damals ausreichenden Leistung von 25 PS (zur Erinnerung, der VW Käfer verfügte seinerzeit über vergleichbare Leistungsdaten!!!)

Die Technik

Eine robuste Rahmenkonstruktion, vier angetriebene Portalachsen (mit Schraubenfedern und Dämpfung!), einfache Wartung und solide Ausführung - was fehlte, war ein geeigneter Motor. Aufgrund der Kontakte der Entwicklermannschaft nach Stuttgart wurde es der damals neue Mercedes OM636 (Vierzylinder Reihenmotor, ohv, 1697 ccm und 25 PS) - ein Motor, der den legendären Ruf der Mercedes Vorkammerdiesel begründen sollte. Zusätzlich waren Anbaumöglichkeiten und Zapfwellen vorne, mittig und hinten vorgesehen, um Geräte und Stationärmaschinen anzutreiben. Im Getriebe war auch ein Kriechgang vorgesehen, um den Einsatz auf dem Acker zu ermöglichen, die Anwendung wurde als Schlepper, Arbeitsmaschine und Transportfahrzeug für die Landwirtschaft definiert.

Die Produktion

Die Entwicklungsarbeit des Allzwecktraktors und der Bau der ersten Prototypen wurde ab 1945 bei der Firma Erhard & Söhne, einer Gold- und Silberwarenfabrik in Schwäbisch Gmünd durchgeführt, eine Serienfertigung dort war allerdings nicht denkbar. So wurde ab 1947 die Werkzeugmaschinenfabrik Gebrüder Boehringer in Göppingen Geburtshelfer des Unimog. In der Zeit bis 1950 fertigte das Unternehmen etliche Prototypen, Vorserien- und mehrere hundert Serienfahrzeuge, die auf Ausstellungen und Messen präsentiert wurden und eine grosse Nachfrage erzeugten. Die erforderliche Ausweitung der Produktion überstieg jedoch die Möglichkeiten von Boehringer, so dass ab 1950 Daimler Benz das Projekt, die Mannschaft, die Technik und den Vertrieb übernahm. Der Unimog wurde im LKW-Werk des Unternehmens in Gaggenau gefertigt, einem der ältesten Automobilwerke der Welt (gegründet 1894). In dieser neuen Heimat erfuhr der Unimog in den nächsten 50 Jahren die Wandelung vom Allzwecktraktor zum multifunktionalen Problemlöser mit Geräteträgerkompetenz in nahezu allen Umfeldern. Durch Neuausrichtung der Produktionsbereiche im Konzern wurde die Unimog-Fertigung ab 2002 in das Werk Wörth verlagert.

Die Modelle

Zunächst wurde nur die offene Variante mit Faltverdeck angeboten, ab 1953 konnten die Kunden auch ein Stahlführerhaus (gefertigt bei Westfalia) ordern; auch nach dem Herstellerwechsel unter das Dach der Daimler Benz änderten sich technisch nur Details. Parallel zum Basismodell wurde ab 1955 der Unimog S (Baureihe 404) mit längerem Radstand als hochgeländegängiger Klein-LKW für militärische Anwendungen entwickelt und produziert, diese allerdings mit 6 Zylinder Benzinmotor (zunächst 82 PS aus 2200 ccm). Dieses Modell wurde neben dem Hauptabnehmer Bundeswehr zum Exportschlager und mit geringfügigen änderungen bis 1980 gebaut. Die Motorleistung entwickelte sich auch beim Basismodell langsam entsprechend den Ansprüchen. In den 60er Jahren wird das Programm weiter komplettiert, auch der zivile Markt wächst sehr stark, die Baureihe 406 (als neue mittlere Baureihe mit mehr Leistung) wird eingeführt. Mit der Einführung der schweren Baureihe 425 im Jahr 1974 war das Programm komplett. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Angebot weiter differenziert und ausgebaut, um den immer individuelleren Ansprüchen (und damit Einsatzmöglichkeiten) zu genügen; diese Dreiteilung der Unimog-Modellwelt wurde jedoch beibehalten.

Die Anwendungen

Hier seien nur einige wenige beispielhaft genannt (es gibt sehr viele Informationsquellen zu diesem Thema): Aggregateträger im kommunalen Bereich, Zug-und Arbeitsmaschine in Land- und Forstwirtschaft, Hilfsdienste und militärischer Einsatz, Industrieeinsatz im Werksverkehr, Basisfahrzeuge für Expeditionen, Weltreisen, Materialversorgung und vieles andere mehr. Besondere Bedeutung hat der Unimog im privaten Bereich bei vielen Wohn- und Expeditionsmobilbauern gerfunden; da der Neufahrzeugbereich sich sehr preisintensiv gestaltet, bedienen sich diese gern der Basisfahrzeuge aus vergangenen Jahrzehnten, die dank robuster Technik sehr überlebensfähig sind.
So kann man die Eingangsfrage eigentlich klar befürworten, das Konzept war von Beginn an flexibel genug und wurde auch so erhalten - der Unimog hat noch ein langes Leben vor sich.

Unimog Bilder

Auf dem Gipfel angekommen: Der Unimog
Der Unimog auf dem Gipfel
Unimog Black Edition:
Der Unimog als Black Edition
Innenraum der Unimog Black Edition
Der Unimog auf dem Gipfel
Quelle der Unimog-Fotos: Daimler Media Archiv