Traktoren und Schlepper

Traktoren: Kraftpakete mit langer Geschichte im Arbeitsalltag

Traktoren im Einsatz auf dem Feld
Traktoren sind die alltagserprobten Giganten unter den PS-starken Zugmaschinen. Wer einmal in einem Schlepper gesessen hat oder ihn im vollen Einsatz beobachten konnte, der wird beeindruckt sagen: Die ziehen ordentlich was weg. Und im Ziehen liegt in der Tat nicht nur die Aufgabe dieser Zugmaschinen. Das Wort in seiner lateinischen Bedeutung "trahere" hat dem heutigen Traktor seinen Namen gegeben. In Norddeutschland nennt man ihn auch Schlepper oder aus dem Plattdeutschen kommend Trecker. Weiter südlich heißt er auch anschaulich kraftvoll Bulldog. In der Amtssprache neutral und gemäß seiner Bestimmung Zugmaschine. In Deutschland darf man Traktoren je nach Geschwindigkeit mit einem Führerschein der Klasse L oder T fahren. Zum Einsatz kommt der Traktor weltweit in der Land- und Forstwirtschaft sowie in der Bauindustrie.

Historie

In diesen beanspruchenden Wirtschaftssektoren, in denen viel Leistung und äußerste Robustheit verlangt wird, hat der Traktor in den entwickelten Industrieländern die seit alters her zum Lastenziehen benutzen Tiere abgelöst. Begonnen hat die Ära der Traktoren Ende des 19. Jahrhunderts, als es möglich wurde, die zuvor entwickelten Dampfmaschinen im kleineren Maßstab zu bauen und sie auf mobilen Fahrwerken zu montieren. Die ersten Dampftraktoren des 19. Jahrhunderts sahen mit ihren Brennkesseln und langen Schornsteinen eher aus wie kleine Lokomotiven. Dementsprechend wurden sie als Lokomobile bezeichnet. Der Nachteil der fahrenden kleinen Dampfmaschinen stelle sich auf den meisten Äckern jedoch sehr schnell heraus. Im Gelände sanken die schweren Kolosse ein. Daher war ihr Einsatz längst nicht überall möglich. Lokomobile fanden so eher als Zugmaschinen für den Transport auf der Straße ihr Einsatzgebiet. In der Landwirtschaft wurden sowohl Traktoren als auch Pferde bis ins 20. Jahrhundert hinein als Zuggefährte benutzt. In den USA hingegen konnten sich Lokomobile wegen der anderen Bodenbeschaffenheiten eher im Ackerbau durchsetzen.


Traktoren Hersteller


Oft gesucht

Erfindung des Dieselmotors

Erst in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts änderte sich die Landwirtschaft in Deutschland. Die Grundlagen dafür schuf Rudolf Diesel mit der Entwicklung des nach ihm benannten Motors 1892. Der war klein, leicht und daher auch ideal geeignet, um auf Plattformen montiert zu werden, die Pflüge über die tiefen Äcker zu ziehen vermochten. Der Siegeszug der Traktoren in seiner heutigen Form begann.

Die Firma Lanz

Als Klassiker der modernen Traktoren gilt der Bulldog der Mannheimer Firma Lanz, die in den 1950er Jahren von John Deere übernommen wurde und die bis heute als weltweit größte Traktorfabrik gilt. Der Lanz-Bulldog kam nach dem ersten Weltkrieg auf den Markt und galt seit 1918 als robustes, leicht zu wartendes Fahrzeug in der Landwirtschaft. Heute sind die historischen Lanz-Modelle die Stars auf Oldtimerschauen. In den USA, neben deutschen Firmen weltmarktführend, bot der Hersteller Thiemann in den 1930er und 1940er Jahren sogar Traktoren als Bausatz an. Ohne Motor, ohne Achsen, musste die Zugmaschine mit Altteilen vom Landwirt selbst zusammengebaut werden.

Der Traktor Marke Eigenbau konnte sich am Markt nicht durchsetzen. Im Zuge der automobilen Weiterentwicklung wurde auch der Traktor technisch immer anspruchsvoller. Von der reibungslos laufenden Zapfwelle hinten, die die vom Motor erzeugte Bewegung an den Hänger übertragt, bis zum Hydrauliksystem, das den Antrieb angehängter Geräte steuert. Selbstverständlich sind in fast allen Modellen Allradantrieb. Doch nicht nur die Technik wurde zur Optimierung des Arbeitseinsatzes revolutioniert. Traktoren des höheren Preissegments weisen auch Komfortausstattungen wie eine Klimaanlage oder satellitengestützte Navigation auf, die Arbeitsabläufe logistisch aus dem Weltraum leitet. Vorreiter dieser Entwicklung sind die weltgrößten Hersteller in den USA, dem größten Markt gerade für diese High-Tech-Traktoren.

Neben Motoren mit immer mehr PS, haben sich auch andere Bereiche der Zumaschine weiterentwickelt. So schonen Terrareifen mit niedrigem Luftdruck den Boden, was gerade in der Landwirtschaft wichtig ist. Um auch am Straßenverkehr teilnehmen zu können, fahren Traktoren heute normalerweise zwischen 25 und 60 Stundenkilometer. Ausnahme bildet der Renntraktor von JCB, der als Fastrac mit 80 km/h besonders die jüngeren Landwirte beeindruckt.

Traktoren-Marken

Die historische Statistik zählt über 300 Traktoren-Marken. Durch Fusionen und übernahmen gibt es heute jedoch weltweit nicht mehr als einige Dutzend Hersteller, die Maschinen unter diversen Markennamen auf den Markt bringen. Die ältesten, bekanntesten oder größten sind: Bührer-CH (Baureihen K, L u.a., Spezial, Standard, Super-Reihen), Case New Holland-USA (Modelle der Marken Fiat, Steyr-Puch, Case, New Holland, Orenstein & Koeppel), Claas-D (Renault-Traktoren), Deutz-D (Agrotron K, M, X, TTV, Hürlimann-Modelle), Ford/USA (Ford Diesel 2000, 5000 u.a., Fordson Super Mayor bis 1965), Hanomag-D (R-Reihe), JCB-GB (Fastrac u.a.), John Deere-USA (2000er bis 9000er-Serien), Massey Ferguson-GB (MF 2400, 3600, 7400, 8600 u.a.), McCormick-GB/Italien (Farmall M-Modelle u.a.), Ursus-Polen (C-Reihe, Ursus 3310, 902, 1604 u.a.), Yanmar-Japan, YTO-China.