Viele große Namen der Nutzfahrzeugbranche sind vom Markt verschwunden
Der Konzentrationsprozess bei den Herstellern von
Pkw sei längst noch nicht abgeschlossen, prognostizieren die Verkehrsexperten. Wie viele Produzenten am Ende übrig bleiben, könnte sich an der Entwicklung der Nutzfahrzeugindustrie ablesen lassen. Dort gibt es weltweit kaum noch ein Dutzend Hersteller, die den Markt für Lastwagen der unterschiedlichen Gewichtsklassen sowie für Landwirtschaftsfahrzeuge unter sich aufteilen. In Europa hat sich die Anzahl der Produzenten auf eine Handvoll reduziert, und einst große Namen wie Büssing, Borgward, Magirus,
Deutz, Hanomag, Henschel, Krupp, Saurer, Hansa-Lloyd, Tempo oder Dixi, die seit den Anfängen der ersten motorisierten Lastwagen Anfang des 20. Jahrhunderts viele Jahrzehnte lang für wegweisende Innovationen im Nutzfahrzeugbau standen, sind längst vom Markt verschwunden. Auch wenn ihre Markennamen nicht mehr auf den Straßen zu sehen sind, die historischen Fahrzeuge, die ab einem Alter von dreißig Jahren in Deutschland offiziell den Status eines Oldtimers haben, sind dennoch mehr als nur eine abstrakte Erinnerung aus einer vergangenen Zeit.
Oldtimer sind die Zeitzeugen der früheren Vielfalt im Nutzfahrzeugbau
Denn es gibt sie noch, und zwar nicht allein als Ausstellungsstücke im Museum, sondern durchaus noch im vollen Arbeitseinsatz. Oder als fahrbereite Oldtimer, von Sammlern und Liebhabern von Veteranen der Arbeitswelt sorgsam gepflegt und restauriert und stolz präsentiert auf Oldtimer-Treffen, Messen und Landwirtschaftsschauen. Dabei geht es Sammlern von Nutzfahrzeug-Oldtimern nicht nur um technische Aspekte. Oldtimer aus dem Bereich der Nutzfahrzeuge sollen vielmehr zugleich anschaulich demonstrieren, wie die Arbeitswelt zu ihrer jeweiligen Zeit ausgesehen hat. Ob Traktoren, Lastwagen oder Feuerwehrautos, alle Oldtimer sind darüber hinaus die Zeitzeugen der früheren Vielfalt, die gerade den Nutzfahrzeugbau auszeichnete und Generationen von Ingenieuren Ansporn zur technischen Weiterentwicklung war. Dass das Verschwinden der meisten Hersteller eher mit Marktmechanismen und Kostendruck, als mit mangelnder Qualität und Innovation zu tun hatte, dafür gibt es übrigens sichtbare Beweise an vielen Orten der Welt. Noch immer fahren Oldtimer nämlich im vollen Arbeitseinsatz.
Oldtimer im Arbeitseinsatz
Gerade in afrikanischen und arabischen Ländern gehören über dreißig Jahre alte Lastwagen, die in Deutschland als
Oldtimer steuerbegünstigt ein ruhiges Rentnerdasein genießen, nach wie vor zum Alltag. So ist es keineswegs selten, in diesen Ländern noch Kurzhauber deutscher Produktion aus den 60er Jahren anzutreffen. Möglich wird das durch eine robuste Technik, die die meisten Oldtimer des Nutzfahrzeugbereichs auszeichnet. Ihr entscheidender Vorteil: Ein Oldtimer lässt sich mit einfachem Werkzeug reparieren, und notfalls reicht dazu das Equipment einer Dorfschmiede. Aber auch in Deutschland sind Oldtimer noch vielerorts im Einsatz. Etwa bei freiwilligen Feuerwehren oder in landwirtschaftlichen Betrieben.
Oldtimer als Sammlerobjekte
Oldtimer-Raritäten wie der älteste Lastwagen der Welt, der im Jahr 1898 von Daimler konstruiert wurde und heute im Mercedes-Benz-Museum präsentiert wird, sind aufgrund ihrer Seltenheit meistens im Besitz von Museen. Private Sammler konzentrieren sich meistens auf jüngere Baujahre, die auf dem Gebrauchtwagenmarkt gehandelt und oft unter großem Aufwand wieder restauriert werden, bevor sie dann auf Ausfahrten und den regelmäßigen Treffen von Lkw-Oldtimern in alter Pracht zu sehen sind. Einen Schwerpunkt für Sammler bilden überdies Feuerwehrwagen, die aufgrund ihrer geringen Laufleistung und ihres guten Pflegezustands den Erwerb eines originalgetreuen Fahrzeugs zum niedrigen Anschaffungspreis ermöglichen. Im Bereich der landwirtschaftlichen Nutzfahrzeuge richten Oldtimer-Fans ihr Augenmerk insbesondere auf alte Traktoren, die nach der Restaurierung auf Landwirtschaftsschauen gezeigt werden und vor dem Hintergrund heutiger Hightech-Traktoren demonstrieren, wie der technische Fortschritt die Nutzfahrzeuge im Agrarsektor und damit zugleich die Arbeitsweisen in den letzten einhundert Jahren verändert hat.
Wichtige Marken historischer Nutzfahrzeuge:
- Büssing (Lastwagen bis 1971)
- Borgward (Lastwagen bis 1961)
- Dixi (Lastwagen bis 1921)
- Hansa-Lloyd (Lastwagen bis 1931)
- Magirus (Lastwagen, Feuerwehrwagen bis 1936)
- Herkules (Lastwagen bis 1928)
- Humboldt-Deutz (Lastwagen, Feuerwehrwagen, Traktoren bis 1983)
- Hanomag-Henschel (Lastwagen, Feuerwehrwagen bis 1974)
- Krupp (Lastwagen bis 1945)
- Saurer (Lastwagen bis 1983)
- Tempo (Lastwagen bis 1965)